Das schmeckt uns!

Das Gewissen guckt bei jedem Einkauf zu. Setzen Sie auf regionale Produkte, und vermeiden Sie Verpackungen, wenn es geht.

Haben Sie schon mal einen Nachhaltigkeits-Check mit Ihren Einkäufen gemacht? Verteilen Sie den Inhalt Ihrer Beutel auf einem großen Tisch. Dann sortieren Sie alle Produkte aus, die so weit gereist sind, dass unnötig Energie für den Transport aufgewendet wurde, zum Beispiel Erdbeeren aus Spanien oder Vollmilch aus Bayern. Im zweiten Schritt packen Sie sämtliche Lebensmittel vollständig aus und betrachten den riesigen Abfallberg. Anschließend sollen Sie Freunde zum Essen einladen, damit Sie die ausgepackten Produkte nicht wegwerfen müssen. Denn nach Berechnungen des WWF landen in Deutschland bereits jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Man könnte diesen Test so zusammenfassen: Nachhaltig ist unser Einkaufsverhalten in der Regel nicht, obwohl sich etwa zwei Drittel der Verbraucher Mühe geben, im Supermarkt auf Umweltfreundlichkeit zu achten, laut einer Studie des Frankfurter Zukunftsinstituts. Das ist aber gar nicht so leicht. Denn selbst hinter Labeln wie „Unser Land“ oder „Aus der Region“ verbergen sich oft Mogelpackungen, zum Beispiel Produkte, die zwar durchaus in der Nähe hergestellt wurden – aber mit Zutaten aus dem Ausland. Und wie soll es überhaupt möglich sein, Müll zu reduzieren?

Beim Erzeuger kaufen

Kunden können sich in der Füllbar in Witten die Mengen nach Bedarf zusammenstellen.

Fangen wir beim Thema Regionalität an. Einige Labels (siehe unten) sind durchaus aussagekräftig. Darüber hinaus sollten Sie darauf achten, Saisonprodukte zu kaufen. Denn beispielsweise ein Apfel aus der Umgebung kann für eine lange Lagerung inklusive Kühlung durchaus mehr Energie verbrauchen als sein Pendant aus Neuseeland für die Reise. Eine Alternative ist es, direkt beim Erzeuger zu kaufen, auf dem Markt oder im Hofladen. Die Plattform www.marktschwaermer.de geht den gegenteiligen Weg und holt die Erzeuger regelmäßig in die Stadt. Die Kunden bestellen zuvor online ihre Waren, die sie an einem festen Termin abholen. Einige Abholstandorte im Ruhrgebiet gibt es bereits – und jeder Nutzer kann selbst einen gründen.

Müll vermeiden

Ebenfalls noch recht jung ist eine Idee, die alle Tugenden nachhaltigen Einkaufens vereint: Unverpackt-Läden. Für einen Einkauf in der Füllbar an der Steinstraße 15 in Witten müssen die Verbraucher Behälter mitbringen oder sich gegen Pfand ausleihen. Das spart Müll, und jeder kauft nur das, was er gerade braucht. Als zusätzliches Plus kommt ein Teil der Waren aus der Region. „Im Moment bestellen wir die meisten Produkte bei Großhändlern, die uns große Gebinde liefern“, erklärt Jenny Jordan vom Gründungsteam der Füllbar. „Viele Non-Food-Produkte wie Seifen erhalten wir sogar im Pfandeimer.“ Die Studentengruppe, die den Laden betreibt, hat einen Nerv getroffen – schon nach einem halben Jahr ist die Füllbar gut besucht.

Den nächsten Unverpackt-Laden wird es wohl in Bochum geben, wo die Initiatoren gerade nach einem geeigneten Standort suchen. Das Startkapital haben sie durch Crowdfunding über das Internet eingesammelt. Der Bedarf ist offensichtlich da. Und wenn das alles nicht reicht, bleibt noch Urban Gardening – Gemüse selbst anbauen.


Regionalfenster

Das freiwillige Label wurde vom Bund eingeführt. Hersteller können es für Herkunftsangaben der wichtigsten Zutaten nutzen.

NRW isst gut

Das Netzwerk aus Landwirten und Lebensmittelherstellern hat ein Regional-Label für lokale Initiativen entworfen.

Herkunftslabel

Auf Packungen von Milchprodukten, Eiern und Fleisch steht ein Code, der zumindest das Kürzel des Bundeslandes enthält (NW ist in diesem Fall NRW).