Licht aus? Hilfe kommt!

Während die meisten Bochumer friedlich schlafen, sind die Teams vom Entstörungsdienst rund um die Uhr in Bereitschaft.

Wer kennt das Problem nicht? Man sitzt gemütlich auf der Couch und ist kurz vor dem Ende eines spannenden Films. Dann passiert es: Ton weg, Licht aus – Strom weg. „Störungen lassen sich leider nicht ganz vermeiden“, sagt Sebastian Mühlhöfer, Gruppenleiter Netzbetrieb Strom. „Meistens liegt es an Kabeln, die im Laufe der Zeit durch Feuchtigkeit kaputtgehen.“ In den Randgebieten der Stadt gebe es zudem Freileitungen, auf die bei Sturm Bäume krachen könnten. Oder durch Defekte an anderen Bauteilen fliegen die Sicherungen raus. Betroffene bittet Mühlhöfer, sofort die Stadtwerke unter der Störungs-Hotline anzurufen. „Die Kollegen in der Leitstelle grenzen den Bereich ein, in dem der Strom ausgefallen ist und schicken ein Team los.“

Wechselnde Bereitschaft

Tagsüber sind zwei Monteure unterwegs, die vor Ort die Lage prüfen. Bei Bedarf werden sie unterstützt von den Fachkräften des jeweiligen Bezirks – die normalerweise Montage- und Wartungsarbeiten vornehmen. Insgesamt gehören zum Team neun Meister und 30 Monteure, die in wechselnden Schichten die Bereitschaft übernehmen. Denn natürlich interessieren sich Störungen nicht für Arbeitszeiten.

„Wir fahren dann ganz normal nach Hause und genießen unsere Freizeit – so lange sie dauert“, sagt der Monteur Stojance Josifov. Ein Ende findet sie oft durch das Klingeln des Handys. Sofort macht er sich auf den Weg, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Wie ein Detektiv geht er auf Spurensuche. „Das macht die Arbeit so spannend! Kürzlich hatten wir ein Problem in einer Gaststätte. Eine Sicherung im Hausanschlusskasten hatte ausgelöst, und ich musste lange nach der Ursache suchen: Eine Leitung in der Anlage des Kunden war durchgeschmort.“

Für ihn ist es wichtig, den Auslöser zu finden. Denn sonst könnte die Störung erneut auftreten oder schlimmstenfalls einen Brand auslösen. „Sicherheit steht bei uns an erster Stelle“, sagt er. Der Hausanschlusskasten ist bei einem Stromausfall in einem Gebäude besonders wichtig. Hier entscheidet sich, ob die Stadtwerke zuständig sind. Der Kasten ist nämlich die Übergabestelle für den Strom. Kommt hier alles an und fließt der Strom trotzdem nicht, muss der Hausbesitzer leider einen Elektriker rufen – auch Kabel im Haus gehen kaputt.

Geschwindigkeit zählt

Eine defekte Zuleitung tauschen die Stadtwerke natürlich selbst aus. Per Kabelmesswagen können sie sehr genau eingrenzen, wo das Problem liegt. „Für diesen Fall haben wir Verträge mit Bochumer Tiefbau-Firmen, die ebenfalls in Bereitschaft sind“, erklärt der Meister Andreas Ciuraj. Er koordiniert diese Arbeiten, die zwar meistens nur wenige Stunden dauern, aber für die Bewohner natürlich trotzdem ärgerlich sind. „Je nachdem, wo der Defekt ist, können wir den Strom, vereinfacht gesagt, auf einem anderen Weg in die Haushalte leiten. Oder aber die Kunden müssen leider warten, bis das defekte Kabelstück ausgetauscht ist.“ Geschwindigkeit ist daher gefragt, und das ist nicht immer so einfach. „Es kommt beispielsweise vor, dass Autos dort geparkt sind, wo wir den Boden aufreißen müssen.“

Die Stadtwerke informieren dann die Polizei, die versucht, den Halter zu erreichen. Zur Not wird das Auto „umgestellt“, also mit einem Abschleppwagen ein paar Meter versetzt. Oder die Bauarbeiter müssen mit dem Spaten ran, weil Telefonkabel im Weg liegen, die nicht beschädigt werden dürfen. Bei gefrorenen Böden im Winter greifen sie zu Presslufthammer und Spitzhacke. „In den Häusern haben wir auch schon skurrile Sachen erlebt“, erzählt der Stadtwerker und lacht. „Ich stand schon oft vor einer Wand, wo der Verteilerkasten sein müsste, weil die Bewohner ihn zugemauert oder verkleidet hatten.“

Gespräche mit Anwohnern

Begeistert ist natürlich keiner, wenn der Strom weg ist. Für die Arbeiten müssen zudem in den meisten Fällen weitere Haushalte zwischenzeitlich abgeklemmt werden. „Eigentlich sind wir daher nicht nur Monteure, sondern leisten auch Beistand“, sagt Josifov. „Wir beruhigen die Leute und erklären ihnen, was genau passiert.“

Er hat Verständnis dafür, dass Bewohner und Geschäftsleute sich über den Ausfall ärgern. „Sie kennen ja unsere Abläufe nicht. Ich erkläre dann, dass keine Spannung auf den Leitungen sein darf, weil wir sonst unsere Gesundheit oder sogar unser Leben gefährden. Das versteht eigentlich jeder.“ Umgekehrt erlebe er es oft, dass die Menschen sich bedanken. „Manchmal bekommen wir sogar Kaffee oder Plätzchen.“ Gerade nachts sei die Überraschung oft groß, wenn im Dunkeln die Straße aufgerissen werde. Nur bei Großereignissen wie einem Sturm mit vielen Schäden dauere es auch mal länger – obwohl dann alle Monteure arbeiten.Ruhig schlafen können sie ohnehin nicht, wenn sie gebraucht werden. „Ich bin erst zufrieden, wenn ich weiß, dass die Kunden gut versorgt sind“, sagt Josifov. Dann geht er wieder in sein Bett und schläft weiter – bis zur nächsten Störung.  

Die Stadtwerker sind erst zufrieden, wenn der Strom wieder fließt. Vorher verlassen sie den Ort der Störung nicht.

LECLAIRE PHOTOGRAPHIE BOCHUM


Hotlines für Störungen

Strom & öffentliche Beleuchtung: 0234 960 – 1111
Gas & Wasser: 0234 960 – 2222
Fernwärme: 0234 960 – 3333