Traumstadt Bochum 2030

Weniger Autos und dafür mehr Plätze, auf denen die Menschen sich treffen, statt alleine zu sein. So könnte Bochums Zukunft aussehen. Schauen wir sie uns an.

Stellen Sie sich vor, Sie würden mit Ihrem Elektroauto in die Bochumer Innenstadt fahren und hätten sofort einen Parkplatz. Nach Ihren Einkäufen sitzen Sie entspannt in einem Café am Straßenrand. Es ist dort nicht mehr so laut wie früher und stinkt auch nicht nach Abgasen. Selbst die Hauptstraßen sind nur einspurig befahren, weil der Platz für Fahrradwege gebraucht wurde. Abends werden Sie in den kleinen Park in Ihrer Wohnsiedlung gehen, wie jeden Abend bei schönem Wetter. Denn dieser Park ist der Treffpunkt des Quartiers, und die Blumenbeete betreuen die Anwohner gemeinsam – so idyllisch stellen sich Trendforscher die Zukunft in den Städten vor. Bis es so weit ist, muss natürlich noch einiges getan werden, aber Bochum macht bereits die ersten Schritte.

Das Zukunftsinstitut in Frankfurt gilt als eine der erfolgreichsten Trend-Werkstätten Deutschlands. Die Mitarbeiter erforschen und analysieren, was die Menschen bewegt und wie sich ihre Werte verändern. Wie könnte sich zum Beispiel das Lebensumfeld in den Städten entwickeln, während die Digitalisierung das Alltagstempo vorantreibt und ein Begriff wie Achtsamkeit als Gegenpol an Bedeutung gewinnt? In der aktuellen Studie „Die Zukunft des Wohnens“ stechen drei Themen heraus: Die Menschen brauchen mehr Nähe zueinander, sie wünschen sich viel Grün, und das Auto ist nicht mehr so wichtig.

Car-Sharing & E-Bikes

Der Gedanke, dass die Dominanz des Autos im Verkehrsbild abnehmen könnte, ist für viele Bochumer ungewohnt. Schließlich ist die Stadt geprägt durch die Zeit mit Opel als einen der wichtigsten Arbeitgeber, „aber es findet ein Umdenken statt“, ist Baurat Markus Bradtke überzeugt. „Der private Pkw wird heute anders bewertet als noch vor 30 Jahren. Car-Sharing-Projekte sind zum Beispiel beliebter geworden, also der Zugriff auf ein Auto, das man nicht unbedingt selbst besitzen muss.“ Er kann sich gut vorstellen, dass in der Bochumer Innenstadt langfristig einzelne Fahrspuren für Radwege weichen müssen. Das sehen die Trendforscher ähnlich. Sie prophezeien eine „weltweite Renaissance des Fahrrades“. Die könnte übrigens durch die E-Bikes befeuert werden, mit denen sich selbst längere oder bergige Strecken ohne allzu große Anstrengung zurücklegen lassen. „Eine entsprechende Infrastruktur fördern wir bei Straßenbauprojekten schon seit einiger Zeit“, sagt Bradtke, der stolz darauf ist, dass Bochum durch dieses Engagement im vergangenen Jahr in die Arbeitsgemeinschaft der fußgänger- und fahrradfreundlichen Städte NRW aufgenommen wurde. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der Radler bei mindestens 20 Prozent liegen. Mit gutem Beispiel voran fährt übrigens Oberbürgermeister Thomas Eiskirch auf seinem Dienst-E-Bike.

Dass es tatsächlich leicht wäre, das Auto häufiger stehen zu lassen, zeigen auch die Zahlen von Prof. Marcel Hunecke. Der Sozialwissenschaftler lehrt an Hochschulen in Dortmund und Bochum und hat sich mit Themen wie Stadtplanung und Mobilität befasst. „Studien haben gezeigt, dass etwa die Hälfte der Wege, die wir täglich zurücklegen, kürzer als drei Kilometer sind.“ Er hält daher eine gleichmäßig verteilte Nutzung nicht nur für sinnvoll, sondern auch für realistisch: 25 Prozent Auto, 25 öffentlicher Personennahverkehr, 25 Prozent Fahrrad und 25 Prozent zu Fuß.

Thomas

Thomas Eiskirch auf seinem Dienst-E-Bike

Wohnraum & Treffpunkte

Außerdem werden die Wege in Bochum wohl eher kürzer als länger, wie Bradtke erklärt: „Unter anderem sollen Arbeitsplätze und Wohnungen wieder enger zusammenrücken. Wir wünschen uns grundsätzlich eine vitale Nutzungsmischung in den einzelnen Stadtteilen.“ In der Innenstadt könnte das zum Beispiel so aussehen: „Wir schaffen bezahlbaren Wohnraum. Dann siedeln sich mit den Menschen auch Supermärkte an, und kulturelle Angebote wie das neue Musikforum schaffen zusätzliche Attraktivität.“ Veränderungen stünden ohnehin bevor, da immer mehr Läden durch den Online-Handel schließen. Für die Stadtentwicklung könnte das eine Chance sein. Ein zusätzliches Plus für die Umwelt ließe sich durch eine zunehmende dezentrale Energieversorgung erreichen – unter anderem über mehr Solaranlagen auf den Dächern in der Stadt.Damit dieser Wandel strukturiert passiert, hat die Stadt bereits den Blick aufs Jahr 2030 gerichtet und die Bochum Strategie entwickelt. Wissen – Wandel – Wir-Gefühl lauten die Kernpunkte, die unter anderem den Standort für Hochschulen und Forschungseinrichtungen betonen. Konkrete Vorstellungen für die Stadtplanung gehören auch dazu: „Unter anderem müssen wir wieder stärker in Quartieren denken, wo die Menschen auch Orte haben, an denen sie sich treffen können“, sagt Bradtke. Damit liegt Bochum absolut im Trend, wie ein Blick auf die Studie des Zukunftsinstitutes zeigt: „Immer häufiger finden Quartiersbildungen statt, die dem vermeintlich anonymen Großstadtmenschen das Gefühl der Zugehörigkeit geben, wie sie sonst nur in ländlichen Gebieten vermutet wurde.“

Parks & Grünpflege

Laut Hunecke wird der Erfolg solcher Pläne stark vom Wohnraum abhängen, „weil die Immobilienpreise der Hauptgrund dafür sind, warum gerade junge Familie oft aus der Stadt rausziehen, statt sie mit Leben zu füllen“, sagt der Experte. Es ist also eher selten die Sehnsucht nach Ruhe und Natur, die für einen Wegzug sorgt. „Viel Natur brauchen die Menschen im Ruhrgebiet tendenziell nicht, weil sie in dieser Hinsicht keine sehr großen Erwartungen haben“, glaubt er. Den meisten reicht es, vom Wohnzimmerfenster aus auf einen kleinen Park zu sehen. Das stellt die Stadtplanung allerdings teilweise vor Probleme. Denn in hochverdichteten Innenstädten fehlt für grüne Oasen schlicht der Platz, weil Baugrund teuer ist. Berücksichtigt werden sie dafür bei Sanierungsprojekten. „Die Menschen fordern urban green, also das städtische Grün, und sind auch bereit, gemeinschaftlich die Pflege zu übernehmen“, weiß Bradtke. Sie ist also gar nicht so weit entfernt, die Idylle von der Nachbarschaft, die sich abends im kleinen Park trifft, um die Blumen zu versorgen. Klingt entspannend.


Beratung für Bauträger

Energieeffizienz steht heutzutage bei Sanierungen und Neubauprojekten ganz oben auf der Prioritätenliste. Wer dabei alles richtig machen will, sollte jemanden fragen, der sich mit dem Thema Energie wirklich auskennt – die Stadtwerke Bochum bieten eine Beratung für Bauträger an. Neben effizienter Energieversorgung stehen auch die Themen regenerative Energieerzeugung, Netzanschlüsse und moderne Technologien wie Wärmepumpen, LED-Beleuchtung und E-Mobilität auf der Agenda.

Telefon: 0234 960-3525 oder E-Mail: immo@stadtwerke-bochum.de