Wetter im Check

Warten stürmische Zeiten auf uns? Oder gar ständig kalte Winter? Wir haben Experten gefragt, wie sich das Klima im Ruhrgebiet entwickeln wird.

Der Sommer war wirklich schön, aber teilweise doch etwas heiß! Außerdem fehlte der Regen für die Landwirtschaft. Im Herbst regnet es uns meistens zu oft, und dann wird es im Winter wieder zu kalt. Außerdem wollen wir kein Eis auf den Straßen, aber bitteschön Schnee zu Weihnachten – wir finden häufig Gründe, über das Wetter zu schimpfen.

Das ist kein Wunder. Schließlich gibt es wenig, was unseren Alltag so stark beeinflusst, ohne dass wir etwas daran ändern könnten. Lassen wir mal beiseite, dass die Russen und Chinesen zu aktuellen Anlässen mit mehr oder weniger Erfolg auf Wolken schießen, und auch deutsche Winzer versuchen, durch Silberiodid mögliche Hagelschauer in Regen umzuwandeln. Fürs Ruhrgebiet sind solche Aktionen nicht relevant. Wir müssen das Wetter hier so nehmen, wie es kommt, und das heißt: immer extremer.

Klimaentwicklung im Ruhrgebiet

„Die Rekorde häufen sich“, bestätigt Antje Kruse. Sie ist beim Landesumweltamt NRW dafür zuständig, die Klimaveränderungen auszuwerten – Klima ist die Wetterstatistik über einen längeren Zeitraum betrachtet. „Ende des 19. Jahrhunderts haben wir damit begonnen, Wetterdaten aufzuzeichnen“, erzählt sie. „Von den 20 wärmsten Jahren, die es seitdem in unserer Region gab, lagen zwölf nach der Jahrtausendwende.“

Gleichzeitig regnet es mehr: Etwa 110 Millimeter Wasser kämen pro Jahr in NRW zusätzlich herunter, im Vergleich zu den Messzeiträumen vor ungefähr 130 Jahren, insgesamt sind es jetzt 918 Millimeter pro Jahr. Allerdings nicht im Sommer, sondern vor allem in Herbst und Winter. „So wird es voraussichtlich weitergehen“, sagt Kruse. „Es erwarten uns weitere trockene und heiße Sommer. Außerdem verschieben sich die Jahreszeiten. Der Herbst dauert aus phänologischer Sicht bereits länger als früher, weil der Winter etwa zwei Wochen später beginnt.“

Hitzeinsel Bochum

Ohne Auswirkungen bleibt das nicht. Die Städte im Ruhrgebiet sind im Grunde genommen Hitzeinseln, weil sie dunkler sind als das Umland und Materialien wie Asphalt und Beton die Wärme speichern. „Nachts kann der Temperaturunterschied gegenüber dem Umland bis zu zehn Grad betragen“, sagt Kruse. Gerade für alte oder chronisch kranke Menschen sei das eine große Belastung, die sich in einer höheren Sterberate niederschlage. „Bei der Städteplanung muss das berücksichtigt werden. Frischluftschneisen, durch die der Wind wehen kann, sind zum Beispiel extrem wichtig“, erklärt die Expertin. „Sie sollten möglichst nicht zugebaut werden.“

Auch Parks dienten nicht nur der Erholung, sondern auch dem Temperaturausgleich. Helle Baumaterialien und Maßnahmen wie Dachflächen- und Fassadenbegrünung könnten zusätzlich für ein wenig Entlastung sorgen. Die wird immer wichtiger. „Schon heute lebt in Bochum rund ein Viertel der Bevölkerung in Bereichen mit starker Hitzebe­lastung. Durch den Klimawandel könnte dieser Anteil bis zur Mitte des Jahrhunderts stark ansteigen“, sagt Kruse. Da freut man sich, wenn mal ein frisches Lüftchen weht. Allerdings nehmen auch beim Wind die Extreme zu.

Wetterphänomene

Hagel

Hagel begleitet immer ein Gewitter. Denn in einer Gewitterzelle geht es rund: Unterkühlte Wassertropfen werden durch Aufwinde in die kälteren Luftschichten getragen, wo sie gefrieren. Sobald sie wieder absinken, lagern sich weitere Wassertropfen an. Dieser Zusammenschluss wird wieder nach oben getragen, gefriert erneut… Hagel bildet sich daher nur bei starken Auf- und Abwinden. Je häufiger die Körner hoch- und runtersteigen, aus desto mehr Schichten bestehen sie. Ähnlich dem Prinzip einer Zwiebel.

Eine

Eine Wolke besteht vor allem aus Wasser- und Eispartikeln. Werden sie durch Wind kräftig durcheinandergewirbelt, stoßen sie gegeneinander und laden sich elektrisch vor. Da die positiven Teilchen leichter sind, steigen sie auf, während die negative Ladung in der Wolke nach unten sinkt. Die Spannung zwischen diesen Bereichen entlädt sich schließlich in einem Blitz. Durch die Hitze dehnt sich die Luft um ihn herum schlagartig aus – der Donner grollt.

(Für

(Für Vollansicht auf das Bild klicken) Sturm: Für Meteorologen ist das nicht anderes als starker Wind, der mindestens mit einer Geschwindigkeit ab 75 Kilometern pro Stunde (km/h) um die Häuser pfeift. Auf der Beaufort-Windskala wäre das Stärke 9. Der Name stammt übrigens von dem britischen Admiral Sir Francis Beaufort, der die Windgeschwindigkeit zunächst an den geblähten Segeln einer Fregatte abschätzte. Weht es noch mehr, nämlich mehr als 117 km/h, heißt der Wind Orkan. Diesen Begriff gibt es eigentlich nur in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm ist ein Hurrikan. Im asiatischen Raum heißt das gleiche Wetterphänomen Taifun, unter anderem im Südpazifik wird es Zyklon genannt.

(Für

(Für Vollansicht auf das Bild klicken) Tornados, Windhosen, Twister – das sind unterschiedliche Namen für das gleiche Phänomen. Vereinfacht gesagt, dreht der Wind dabei in Bodennähe und in großer Höhe in verschiedene Richtungen und kann so eine Wolke mit bis zu 500 km/h herumwirbeln – in Deutschland entstehen etwa zwischen 40 und 60 Tornados pro Jahr.

Der

Der Jetstream ist ein globaler Wind, der in einer Höhe zwischen acht und zwölf Kilometern weht, von Westen nach Osten. Unter anderem entstehen diese Luftbewegungen durch die Temperaturunterschiede zwischen den Polen und dem Äquator. Abgelenkt wird sie ein wenig durch die Erddrehung (Corioliskraft). Auch Gebirgsketten wie die Rocky Mountains und der Himalaya beeinflussen den Jetstream. Er ist übrigens immer sehr stark, da in großer Höhe die Reibung fehlt.

Die Kraft nutzen

Die Spitze der alten Fichte biegt sich so weit zur Seite, dass sie fast bricht. Im letzten Moment verlieren die Wurzeln ihren Halt, und der fast 400 Jahre alte Baum kracht auf die Straße. Zuletzt sorgte der Orkan „Friederike“ in Deutschland für solche Bilder – teilweise mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern. Auch im Ruhrgebiet richtete er Schäden an. In Bochum deckte er Dächer ab, wirbelte Baumaterial durch die Luft und entwurzelte zahlreiche Bäume. Elf Menschen wurden verletzt.

Aber: So zerstörend die Kraft des Windes sein kann, in kleineren Dosen lässt sie sich nutzbringend einsetzen. Das wussten schon die alten Perser, die ihre Getreidemühlen mit Windrädern antrieben. Heute zählt Windkraft zu den wichtigsten Formen Erneuerbarer Energien, und ihr Potenzial ist enorm. Nach einer Studie des Umweltbundesamtes stünden in Deutschland theoretisch 1.190 Gigawatt (GW) installierbare Leistung an Windkraft zur Verfügung. Das ist fast sechsmal so viel wie derzeit insgesamt im ganzen Land installiert sind – konventionelle Energien eingeschlossen. Mögliche Offshore-Windparks sind dabei noch nicht mit eingerechnet.

Windenergie, wie hier vor Borkum, hat großes Potenzial. An dem Offshore-Windpark sind auch die Stadtwerke Herne beteiligt.

Doch natürlich werfen solche Zahlen ein schiefes Bild auf den Markt der Windenergie. Denn nicht überall, wo Wind weht, können entsprechende Anlagen gebaut werden. Ein großer Teil der Grundstücke steht nicht zur Verfügung, weil Mindestabstände zu Wohnbebauungen eingehalten werden müssen. Emissionsschutzverordnungen und Umweltauflagen schränken die Möglichkeiten weiter ein.

Außerdem dürfen Windräder nicht zu dicht beieinanderstehen, weil sie sich sonst gegenseitig beschatten. Wie genau sie sich beeinflussen, versuchen Forscher der Ruhr Universität Bochum (RUB) jetzt herauszufinden. Das Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik arbeitet dafür eng mit dem Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme zusammen.

„Für unser Projekt Smart Wind Park Laboratory bauen wir in einem kleineren Maßstab einen Windpark in einer Versuchshalle auf, inklusive Netzanbindung”, sagt Johnny Chhor, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RUB. „Dann untersuchen wir, wie sich die Luftströmungen in verschiedenen Szenarien verändern und wie es gelingen könnte, einzelne Anlagen so zu steuern, dass die Energieausbeute im gesamten Windpark optimiert wird.“ Solche Ergebnisse kommen langfristig auch den Stadtwerken Bochum zugute, die ebenfalls in Windkraft investieren, unter anderem vor Borkum.


Grüne Zukunft

Die Stadtwerke Bochum erzeugen Strom aus Wind, Wasser und Sonne, u. a. mit vier Solaranlagen im Stadtgebiet und einer in Gnodstadt. Wind wird genutzt über vier Anlagen in Bremerhaven und der Beteiligung am Trianel Windpark Borkum, dessen zweite Ausbaustufe gerade errichtet wird. Ist sie am Netz, können die Stadtwerke bis zu 65.000 Haushalte mit Offshore-Windenergie versorgen. Auch das Portfolio an Photovoltaik- und Windkraftanlagen an Land wird weiter ausgebaut.


Ökostrom fürs Klima

Dass die Erde sich erwärmt, hängt unter anderem mit dem Treibhauseffekt zusammen: Kohlendioxid (CO2) sammelt sich in der Atmosphäre. Die warmen Sonnenstrahlen, die von der Erde reflektiert werden, können diese CO2-Schicht schlechter durchdringen – ein Teil der Wärme bleibt in relativ bodennahen Schichten. Mit dem Ökostrom aus Wasserkraft der Stadtwerke Bochum tragen Sie dazu bei, den CO2-Ausstoß zu verringern.
stadtwerke-bochum.de/oekostrom