Wind aus Nordost…

Sven Plöger, Wetterfrosch der ARD, über die Kunst der Vorhersage und das Wetter im Ruhrgebiet.

Warum ist es überhaupt so schwer, das Wetter vorherzusagen?

Sie kennen doch bestimmt die Geschichte, dass der Schlag eines Schmetterlingsflügels in Australien bei uns ein Sturmtief auslösen kann – es sind einfach unglaublich viele Faktoren am Wetter beteiligt. Genau genommen sind es 26 Quadrillionen Teilchen pro Kubikmeter Atmosphäre. Wenn ich das Wetter zu einhundert Prozent richtig voraussagen möchte, müsste ich immer wissen, wo genau sich jedes dieser Teilchen befindet – die Atmosphäre ist übrigens 25.5 Billiarden Kubikmeter groß. Jetzt rechnen Sie mal die Gesamtzahl der Teilchen aus – die Nullen passen nicht auf diese Seite. Glücklicherweise lassen sich viele Zusammenhänge mathematisch vereinfachen, aber es bleiben Unsicherheiten.

Arbeiten Sie in erster Linie mit den Daten, die von den Wetterstationen geliefert werden?

Das ist nur ein Teil. Hinzu kommen zum Beispiel Radardaten, Satellitenmessungen und Ballons, die in die Atmosphäre aufsteigen und dort Werte ermitteln.

In was für einem Zeitraum sind Vorhersagen überhaupt seriös?

Für den nächsten Tag liegen wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent richtig. Alles, was über sechseinhalb Tage hinausgeht, ist geraten.

Die Rechnerei übernehmen Computer. Was ist Ihre Aufgabe als Meteorologe?

Ich muss das Computermodell interpretieren. Dafür brauche ich unter anderem gute Regionalkenntnisse. Denn natürlich wird das Wetter auch von der Geografie beeinflusst und von der Bebauung.

Was heißt das fürs Ruhrgebiet?

Das ist so dicht besiedelt, dass es für Meteorologen praktisch eine einzige große Stadt ist, und die entwickelt eine gewisse Eigendynamik. In den Städten herrschen nachts im Sommer beispielsweise höhere Temperaturen, weil die Gebäude Hitze abstrahlen, die sie tagsüber aufnehmen. Im Winter ist es deswegen hier auch nicht so furchtbar kalt wie woanders – im Ruhrgebiet ist im Winter kein einziger Monat so kalt, dass der Durchschnittswert im Minusbereich liegt. Auch der Wind wird kanalisiert. Der Regen kommt tendenziell von Westen rein. Deswegen ist es in den westlichen Regionen auch eher feucht und schwül als im Osten.


Lesetipps

Wo unser Wetter entsteht
Eine meteorologische Reise, Belser Verlag 2015, 144 Seiten, 19,99 Euro

Wie Wind unser Wetter bestimmt
Auf Wettertour mit Sven Plöger, Belser Verlag 2017, 128 Seiten, 19,99 Euro