Abschalten verboten!

Per Gesetz plant die Regierung, das Abschalten unrentabler Kraftwerke zu verhindern und somit Engpässe in der Stromversorgung zu vermeiden. Für die Kosten aufkommen sollen die Bürger.

Bereits im Winter vergangenen Jahres war die Situatuation angespannt: Auf Grund der Stillegung von acht Atomkraftwerken fürchtete die Regierung mögliche Engpässe. Zusätzlich senkt die hohe Solar- und Windstromproduktion seit Monaten die Einkaufspreise für Strom. So werden Kohle- oder Gaskraftwerke gerade mittags, wenn die Sonne scheint, wenig benötigt.

Nun sorgt sich die Regierung, dass ältere Kraftwerke für Betreiber zunehmend unrentabel werden, und deshalb bis zum Winter mehr Anlagen als erwartet vom Netz gehen. Doch gerade solche Kraftwerke werden im Winter, wenn die Sonne wenig scheint und mehr Energie konsumiert wird, benötigt.

Verbraucher zahlen für Kraftwerkbetreiber

Ein Gesetzesentwurf sieht nun vor, dass Betreiber die Stilllegung von Kraftwerken in Zukunft zwölf Monate vorher ankündigen müssen und diese notfalls auch verboten werden kann. Zusätzlich müssen die Betreiber der Übertragungsnetze bis Ende März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke erstellen.

Sollte die Stilllegung verboten werden, müssen die Kraftwerke als Netzreserve betriebsbereit gehalten werden, um in Enpässen einsatzbereit zu sein. Für die Bereithaltung der Kraftwerke würde der Staat den Besitzern ihre Auslagen erstatten – die Kosten müsste der Verbraucher tragen.

Vorsorge gegen Engpässe

Die Meinungen über den Entwurf scheiden sich: Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, warnte in der Zeitung Die Welt (Samstag), die Gefahr von Stromausfällen zu unterschätzen. Die Energiebranche rät dagegen davon ab, voreiligen Entwürfen zuzustimmen, ohne alle marktwirtschaftlichen Lösungen geprüft zu haben.