Nachhaltig unterwegs

Elektromobilität könnte den Verkehr gerade in den Städten revolutionieren, und dabei noch zur Energiewende beitragen. Fahren wir los!

Als Carl Benz Ende des 19. Jahrhunderts seinen ersten Benziner zum Patent anmeldete, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass Staus, Feinstaubbelastung und CO2-Ausstoß zu beherrschenden Themen im Ruhrgebiet werden könnten. Der Vormarsch des Elektroautos ist die nächste große Entwicklung, und vermutlich fehlt uns wieder die Vorstellungskraft – wer glaubt jetzt an Städte, in denen kaum noch jemand ein eigenes Auto besitzt, und E-Fahrzeuge gleichzeitig dafür genutzt werden, das Stromnetz zu stabilisieren? Genau so könnte aber die Zukunft aussehen.

Strom

Strom tanken und umweltfreundlich weiterfahren.

Vom Statussymbol zur Smart Mobility

Die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt. Daran scheint in der Fachwelt kein Zweifel zu herrschen, auch wenn es bis zu seiner endgültigen Verbannung sicherlich noch einige Jahre dauern wird. Vermutlich verändert sich aber nicht einfach nur der Antrieb. Davon ist der ADAC überzeugt. In einer aktuellen Studie, die das Zukunftsinstitut im Auftrag des Automobilclubs erstellt hat, heißt es: „Autos werden 2040 in allererster Linie Mittel zum Zweck sein – allerdings nicht nur zur Fortbewegung, sondern zum Beispiel auch als elementarer Bestandteil eines intelligenten, nachhaltigen Energiemanagements. Aus Status-Mobilität wird Smart Mobility.“ Das klingt abstrakt, praktisch heißt es: Das Auto verliert seinen Stellenwert als Statussymbol. Dafür rücken die technischen Möglichkeiten in den Vordergrund. Zum Beispiel lädt Sonnenenergie, die gerade nicht gebraucht wird, die Speicher von E-Autos auf. Umgekehrt könnte sie aus deren Batterien wieder abgezapft werden, wenn das Auto ungenutzt auf dem Parkplatz steht und die Besitzer kochen wollen. Elektromobilität würde somit fester Bestandteil des Stromnetzes. Schon jetzt ist es möglich, mit Unterstützung der Stadtwerke Bochum eine Solaranlage auf dem Dach zu installieren und den erzeugten Strom unter anderem für die Ladestation des E-Autos zu nutzen. Photovoltaik-Anlage und Ladestation können dabei übrigens über ein Pachtmodell, also ohne Eigenkapital, finanziert werden. Zurück zu den Zukunftsvisionen: Ein eigenes Auto werden aber wahrscheinlich nicht mehr viele Menschen besitzen. Car-Sharing-Modelle, bei denen sich die Autos per App anfordern lassen, könnten für größtmögliche Flexibilität sorgen.

Autokorso

Autokorso am Elektromobilitätstag in Bochum.

Netzwerke fürs Ruhrgebiet

Erste Ansätze bietet schon jetzt das Projekt Ruhrauto-e, zu dessem gemeinschaftlich genutzten Fahrzeugpool ausschließlich Elektroautos gehören. Auch in Bochum gibt es sechs Standorte. Neben dem praktischen Nutzen können die Bürger auf unkomplizierte Weise das Fahrgefühl testen. „Elektroautos sind mittlerweile in der Bevölkerung angekommen, und die Nachfrage steigt“, sagt Katja Nikolic von ruhrmobil-E e.V. Der gemeinnützige Verein setzt sich gemeinsam mit Partnern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft dafür ein, das Thema im Ruhrgebiet und darüber hinaus zu fördern. Auch die Stadtwerke Bochum sind in diesem Netzwerk vertreten. Dabei meint E-Mobilität nicht nur das Auto. „Es geht darum, die Mobilität im Allgemeinen zu verbessern. Wir brauchen eine andere Lebensweise, um die Umwelt zu schonen. Neben dem ÖPNV ist auch das Fahrrad eine wichtige Alternative“, glaubt Nikolic. Vor allem, wenn es sich um E-Bikes handelt. Im Freizeitbereich boomen sie bereits. Verkehrsexperten hoffen, dass auch Pendler die Vorteile entdecken. Schließlich sorgt der Motor für mehr Geschwindigkeit und hilft dabei, selbst Steigungen mühelos zu überwinden. Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) jedenfalls ist vom Entwicklungspotenzial überzeugt. Sie hat am Bundesförderprogramm Mobil.Pro.Fit teilgenommen, das den Bereich „betriebliches Mobilitätsmanagement“ unterstützt. Im Ergebnis wird unter anderem auf dem Campus die Infrastruktur für Radfahrer ausgebaut, inklusive abschließbarer Boxen.

Lastenräder

Lastenräder sind gerade für Innenstädte eine gute Alternative.

Mehr Ladesäulen für Bochum

Die Zahlen zeigen, dass Nordrhein-Westfalen im Bereich Elektromobilität relativ gut dasteht. Allein im Jahr 2016 wurden 1.814 rein batteriebetriebene Fahrzeuge neu zugelassen. Ähnlich positiv sieht die Bilanz der Ladeinfrastruktur aus. Ende 2016 gab es in NRW 3.395 öffentliche und halb-öffentliche Ladepunkte, die beispielsweise von Kunden oder Mitarbeitern genutzt werden dürfen. Mit einem Förderprogramm treibt das Bundesverkehrsministerium den Ausbau zusätzlich voran. Davon profitiert auch Bochum. Den Stadtwerken hat das Ministerium bereits eine Förderung für fünf Schnellladesäulen sowie 26 Normalladesäulen bewilligt. Sie ergänzen die bestehenden 13 öffentlichen Ladesäulen im Stadtgebiet. Weitere Anträge werden derzeit geprüft. Der Ausbau ist wichtig, denn natürlich ist es für E-Autofahrer entscheidend, wo sie neuen Strom tanken können, und gerade in der Innenstadt ist Elektromobilität sinnvoll, weil sie die Belastung durch Feinstaub und CO2 senkt. Das ist auch gut fürs Image. Deswegen sind bereits Paketzulieferer mit E-Autos und E-Lastenrädern unterwegs, die ersten Taxen tanken Strom. Außerdem fahren die Stadt Bochum sowie die Stadtwerke mit gutem Beispiel voran: Die unternehmenseigenen Flotten werden nach und nach umgestellt. Zusätzlich betreibt die BOGESTRA mit 15 Fahrzeugen die größte Hybridbusflotte in NRW. Eines steht also fest: Die Zukunft kommt, ob wir sie uns nun vorstellen können oder nicht.


Eine eigene Ladestation

Die Stadtwerke Bochum begleiten Sie auf dem Weg zur eigenen Ladestation. Sie kümmern sich bei einem Kauf um die Installation und unterstützen Sie beim Antrag auf eine Förderung durch das Land NRW – Sie erhalten einen Zuschuss von bis zu 50 Prozent der Kosten, maximal 1.000 Euro pro privat genutztem Ladepunkt und 5.000 Euro Obergrenze für öffentlich zugängliche Ladepunkte. Eine Alternative ist das Pachtmodell, für das Sie nur eine festgelegte monatliche Gebühr zahlen.

Hier finden Sie eine Übersicht der öffentlichen Ladesäulen in Bochum.

Ladesäulen

Ladesäulen im Parkhaus an der Jahrhunderthalle.