Natur im Ruhrgebiet

Der Sommer ist vorbei, aber draußen gibt es eine Menge Tiere und Pflanzen zu entdecken! Bochum und seine Umgebung sind voller Leben.

Die Luft ist lau an diesem Herbstabend im Bochumer Lottental. Spaziergänger genießen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne, als ein fast unheimlich klingender Ruf ertönt: „Huhuuuuu!“ – die größte Eulenart der Welt ist zurückgekehrt. Jahrzehntelang galt der Uhu in NRW als ausgerottet, inzwischen hat er auch den Pott wieder für sich entdeckt. Er brütet an Felswänden und Stahlgerüsten. Unter anderem lebt ein Pärchen im Steinbruch der ehemaligen Zeche Klosterbusch, direkt unterhalb der Ruhr-Universität. Und das ist nicht die einzige Besonderheit, die es hier zu entdecken gibt.

Große Artenvielfalt

„Diese Region ist wirklich beeindruckend“, schwärmt Gaby Schulemann-Maier. Sie arbeitet für naturgucker.de, eine Plattform, auf der Naturfreunde ihre Beobachtungen melden. In Bochum bietet sie in Zusammenarbeit mit dem NABU Führungen an. „Ich bin hier aufgewachsen und habe erlebt, wie aus ehemaligen Schandflecken wertvolle Lebensräume geworden sind“, erzählt sie. „Man entdeckt Tiere und Pflanzen an Orten, wo man nicht mit ihnen gerechnet hätte.“ Das hat auch der „Geo Tag der Natur“ bewiesen. Jedes Jahr im Juni rücken Experten aus, um den Bestand eines festgelegten Gebietes zu untersuchen. 2017 waren sie auf dem Gelände der Zeche Zollverein unterwegs – mehr als 800 Arten haben sie dort gezählt.

Diese hohe Vielfalt hängt auch mit der Geschichte des Ruhrgebietes zusammen. Ehemalige Abraumhalden oder Stahlhüttenwerke bieten der Tier- und Pflanzenwelt spezielle Bedingungen. Sie werden ergänzt durch Brachflächen, deren Böden zum Teil ungewöhnlich zusammengesetzt sind, weil die Industrie einst Spuren aus Schlacke oder Kohleresten hinterlassen hat. Hinzu kommen zahlreiche hohe Schornsteine und Türme. Am Kamin des Heizkraftwerks in Hiltrop haben die Stadtwerke Bochum zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem NABU einen Nistkasten für Wanderfalken installiert – drei Jungvögel sind dort vor wenigen Monaten geschlüpft.

Gänse für Anfänger

Es gibt also eine Menge zu entdecken. Der Herbst ist zum Beispiel die Saison für Pilzwanderungen. Der NABU bietet sie unter anderem auf dem Kalwes in Querenburg an, wo die Stadt ein Naturschutzgebiet plant. „Bei dieser Exkursion geht es nicht darum, Speisepilze zu sammeln, sondern die Besonderheiten und die Schönheit der Pilze schätzen zu lernen“, sagt Mathias Krisch, Vorstandsvorsitzender des Bochumer NABU. Für Einsteiger hat er weitere Tipps parat: „In den nächsten Wochen finden sich immer mehr Wintergäste ein, unter anderem auf dem Kemnader See. Arktische Gänse zu bestimmen ist relativ einfach und macht großen Spaß.“

Distelfalter

Distelfalter auf ehemaliger Halde.

Schleimrübling

Schleimrübling – schöner als sein Name.

Das

Das Fernglas immer griffbereit.

Beobachtungstour

Beobachtungstour im Winter: Kahle Äste geben den Blick frei.

Hotspots

Hotspots im Ruhrgebiet

Geduld mitbringen

Ohnehin sei jetzt ein guter Zeitpunkt, um mit der Naturbeobachtung zu beginnen. Denn die kahlen Äste geben den Blick frei auf heimische Singvögel, Spechte oder sogar den Waldkauz, die sonst alle schwer zu entdecken sind. Krisch rät dazu, einfach mal ein Fernglas mit in den Stadtpark zu nehmen. Wer keines besitzt: Bei unserem Preisrätsel auf Seite 18 können Sie eines gewinnen! „Am interessantesten sind meistens die Ecken, wo nicht so viele Menschen unterwegs sind. Auch an Wasserflächen lohnt es sich, länger zu verweilen.“ Bei Minusgraden tauchen dort häufig sogar Eisvögel auf, da die Gewässer in der Stadt nicht ganz so schnell zufrieren – Naturbeobachtung ist ein Hobby für jede Jahreszeit.

Exkursionen vom NABU

Sobald die Tage wieder wärmer werden, wagen sich die Amphibien aus ihren Verstecken. „Im Botanischen Garten der RUB gibt es auch Mauereidechsen“, erzählt Schulemann-Maier. „Die lieben die Wärme und leben sonst eher in Süddeutschland.“ Schmetterlingsfreunde sollten sich hingegen den Tippelsberg vormerken. Neben vielen anderen Arten fliegt hier der Schwalbenschwanz. Doch nicht nur die spektakulären Arten können begeistern. Schulemann-Maier bietet Exkursionen mit der Lupe in der Hand an. „Die Teilnehmer sind richtig fasziniert, was für tolle Insekten es gibt.“ Der NABU Bochum ermöglicht es jedem, sich Naturthemen auf unkomplizierte Weise zu nähern, etwa bei einer naturkundlichen Stadtexkursion am Samstag, 23. September. Am Sonntag, 1. Oktober, können Sie gemeinsam mit Experten von Bochum aus Zugvögel beobachten, und am Sonntag, 26. November, geht es zu den Wintergästen am Kemnader See.

Mehr Infos:


PowerPiraten Club

Beim Kinderclub der Stadtwerke, den PowerPiraten, geht’s auch nach draußen, zum Beispiel auf Amphibien-Suche mit Fröschen zum Anfassen. Schließlich haben Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien einen naheliegenden Gedanken belegt: Die meisten Erwachsenen sind gerne in der Natur, wenn sie als Kinder oft draußen waren.

www.powerpiraten.de